{"id":1287712,"date":"2018-04-01T17:59:00","date_gmt":"2018-04-01T15:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ov-g53.de\/?p=1287712"},"modified":"2018-04-01T18:03:17","modified_gmt":"2018-04-01T16:03:17","slug":"boersenhandel-beschert-kurzwellenfunk-ein-comeback","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ov-g53.de\/?p=1287712","title":{"rendered":"B\u00f6rsenhandel beschert Kurzwellenfunk ein Comeback"},"content":{"rendered":"<header class=\"article-header\">\n<h2 class=\"article__heading\">B\u00f6rsenhandel beschert Kurzwellenfunk ein Comeback<\/h2>\n<div class=\"publish-info\"><time class=\"publish-info__date\" datetime=\"2018-04-01T01:04:00\">01.04.2018\u200301:04 Uhr <\/time> <span class=\"publish-info__author\">Urs Mansmann<\/span><\/div>\n<\/header>\n<figure class=\"aufmacherbild\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/heise.cloudimg.io\/width\/700\/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1\/_www-heise-de_\/imgs\/18\/2\/3\/9\/8\/6\/7\/6\/Antenne_2-5412289d116d6fc1.jpeg\" alt=\"B\u00f6rsenhandel beschert Kurzwellenfunk ein Comeback\" \/><\/figure>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>B\u00f6rsenh\u00e4ndler sind auf schnelle Datenverbindungen angewiesen. Ein Startup-Unternehmen unterbietet die Latenz von Glasfaserverbindungen auf Transatlantikstrecken mit Kurzwellen-Technik.<\/strong><\/p>\n<p>Beim B\u00f6rsenhandel geht es oft um Geschwindigkeit. Im sogenannten Arbitrage-Handel macht das Gesch\u00e4ft, wer schneller als die Konkurrenten Kursdifferenzen zwischen verschiedenen Handelspl\u00e4tzen erkennt. Internet-Provider <b>treiben deshalb hohen Aufwand[1]<\/b>, um die Latenzen zwischen den B\u00f6rsenhandelspl\u00e4tzen zu minimieren und diese Chance auf schnelle Gewinne mit geringem Risiko zu nutzen.<\/p>\n<p>Das Startup-Unternehmen Shortwave Traders hat nun einen neuen Ansatz entwickelt, die Konkurrenz gewisserma\u00dfen rechts zu \u00fcberholen. Im Auftrag eines internationalen Bankhauses hat der technische Leiter Andrej Pramen einen Weg gefunden, die Latenz auf der Transatlantikstrecke zwischen Frankfurt und New York nochmals zu reduzieren.<\/p>\n<h3 id=\"nav_gebremste__1\" class=\"subheading\">Gebremste Signale<\/h3>\n<p>In Lichtwellenleitern reisen die Daten nur mit zwei Dritteln der Lichtgeschwindigkeit. Bei einer Funk\u00fcbertragung hingegen sind sie mit ann\u00e4hernd Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Deshalb werden in den USA f\u00fcr besonders zeitkritische Anwendungen wie den B\u00f6rsenhandel bereits Richtfunkverbindungen eingesetzt, um die Latenz zu optimieren.<\/p>\n<figure class=\"rte__inlinebild akwa-inline-img rte__pos_left col-lg-6 col-md-6 col-sm-6 col-xs-12 akwa-inline--left\"><img decoding=\"async\" class=\"img-responsive akwa-inline-img__img aligncenter\" src=\"https:\/\/heise.cloudimg.io\/width\/350\/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1\/_www-heise-de_\/imgs\/18\/2\/3\/9\/8\/6\/7\/6\/voacap_FRA_NYC-fc863b9404d94556.jpeg\" alt=\"VOACAP\" \/><figcaption class=\"rte__inlinebild_source akwa-caption\"><span class=\"akwa-caption__text\"> Laut dem Prognose-Tool VOACAP ist die Funkstrecke von Deutschland nach New York auf dem 20-Meter-Band im M\u00e4rz noch recht zuverl\u00e4ssig. <\/span><span class=\"source akwa-caption__source\"> (Bild:\u00a0 <b><a href=\"http:\/\/www.voacap.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">VOACAP[2]<\/a><\/b> ) <\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Signal von Frankfurt nach New York ist per Glasfaserkabel \u00fcblicherweise 35 Millisekunden unterwegs \u2013 ein Funksignal schafft die Strecke hingegen in 20 Millisekunden. 15 Millisekunden Vorsprung \u2013 damit lie\u00dfe sich viel Geld verdienen. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn die Technik ist kompliziert. Das Team von Pramen, das aus einer Handvoll Hochfrequenztechnikern und Informatikern sowie einem pensionierten Schiffsfunker besteht, t\u00fcftelte seit 2014 an einer L\u00f6sung. Satellitenverbindungen sind nicht nutzbar; zu gro\u00df sind die Umwege, zu hoch die Latenzen.<\/p>\n<p>Das Ziel f\u00fcr die Einrichtungsverbindung von Frankfurt nach New York lag unter 30 Millisekunden. Die L\u00f6sung war letztlich eine Kurzwellenverbindung, die die Endstellen direkt miteinander verbindet, ohne Zwischenstationen und vor allem ohne jeglichen Umweg \u2013 eine Technik die bereits seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts genutzt wird.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal musste Shortwave Traders aber eine Genehmigung erhalten, eine Kurzwellenfrequenz nutzen zu d\u00fcrfen. Pramens Kontakte in die Ukraine erwiesen sich als strategischer Vorteil: &#8222;Wir haben von einer Firma aus dem Donbas die weltweiten Nutzungsrechte f\u00fcr eine Kurzwellenfrequenz im 20-Meter-Band erworben, die aufgrund der politischen Lage dort brachlag&#8220;, erz\u00e4hlt Pramen. In Deutschland brauchte er dann nur noch eine Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur f\u00fcr den Sendebetrieb.<\/p>\n<div class=\"apester-media apester-element\" data-context=\"true\" data-fallback=\"true\" data-tags=\"\" data-token=\"5a659b370b0e0c0001667550\">\n<div class=\"apester-loading-container apester-hidden\">\n<div class=\"apester-layout-fill\">\n<div class=\"blobs\">\n<div class=\"blob\">\u00a0<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 id=\"nav_mehr_latenz__2\" class=\"subheading\">Mehr Latenz durch DSP<\/h3>\n<p>Entscheidend f\u00fcr eine geringe Latenz waren auch die verwendeten Ger\u00e4te. Ger\u00e4te mit DSP, stellten die Techniker im Labor fest, erh\u00f6hen die Latenz erheblich. Aktuell gibt es aber keine brauchbaren Ger\u00e4te ohne DSP mehr am Markt. Deswegen kauften sie \u00e4ltere Amateurfunk-Transceiver aus den 90er-Jahren auf und arbeiteten sie auf, beispielsweise indem sie sie gr\u00fcndlich reinigten, verschlissene Elkos und Relais ersetzten und den Frequenzbereich anpassten. &#8222;Solche noch rein analogen Ger\u00e4te sind nach einer Restaurierung extrem robust und zuverl\u00e4ssig&#8220;, erkl\u00e4rt Pramen, &#8222;sie arbeiten nahezu latenzfrei, sie produzieren ein sauberes Signal und haben einen extrem empfindlichen, rauscharmen Emf\u00e4nger.&#8220; Fabrikneu sind hingegen die eingesetzten Transistorendstufen, die rund 2000 Watt Dauerleistung abgeben.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dftes Problem war die geringe Datenrate. Maximal 2400 Bit\/s lassen sich per Kurzwelle in einem 3-kHz-Sprachkanal zuverl\u00e4ssig \u00fcbertragen, erkl\u00e4rt Pramen. Ein Datenpaket mit nur 64 Bit ben\u00f6tigt dann aber bereits 27 Millisekunden f\u00fcr die \u00dcbertragung \u2013 schon w\u00e4re der Vorteil dahin. Die Techniker setzen deswegen sehr kleine Datenpakete ein. &#8222;Wir \u00fcbertragen die Werte nur f\u00fcr einen B\u00f6rsenkurs und bilden die Kursbewegung in Echtzeit nach&#8220;, erkl\u00e4rt Pramen. Wie genau, will er nicht verraten \u2013 Gesch\u00e4ftsgeheimnis. &#8222;Uns hilft allerdings, dass wir parallel zur Kurzwellenverbindung noch eine herk\u00f6mmliche Breitbandverbindung haben. So k\u00f6nnen wir nicht nur st\u00e4ndig die Verschl\u00fcsselung des Signals austauschen, sondern beispielsweise auch den Wertebereich und den -umfang dynamisch \u00e4ndern. Wenn das Signal nach einer St\u00f6rung oder nach einem Feldst\u00e4rkeeinbruch wieder aus dem Rauschen auftaucht, flie\u00dfen bereits nach weniger als 100 Millisekunden wieder aktuelle Kursinformationen.&#8220;<\/p>\n<h3 id=\"nav_keine_antennen__3\" class=\"subheading\">Keine Antennen auf der B\u00f6rse<\/h3>\n<p>Der ideale Funkstandort war gar nicht so leicht zu finden. Der Wunsch des Auftraggebers, eine Kurzwellenanlage auf dem Dach der B\u00f6rsen in Frankfurt und New York zu installieren, war nicht zu realisieren. Bei der Sendeleistung von insgesamt rund 2000 Watt w\u00e4ren die vorgeschriebenen Sicherheitsabst\u00e4nde in Frankfurt nicht einzuhalten gewesen. Und der Kurzwellenempfang in New York war durch den st\u00e4dtischen St\u00f6rnebel erheblich beeintr\u00e4chtigt. Der Sender steht nun in der N\u00e4he von Daun in der Eifel, der Empf\u00e4nger im US-Bundesstaat Maryland \u2013 jeweils mit einer Low-Latency-Anbindung per Glasfaser zur B\u00f6rse. Derzeit richtet das Unternehmen im Osten der USA weitere Empfangsstandorte ein, um die Zuverl\u00e4ssigkeit der Verbindung durch Space Diversity zu verbessern.<\/p>\n<p>Die tageszeitlichen Schwankungen der Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle bereiten den Funkern m\u00f6glicherweise aber noch Probleme. Seit der Inbetriebnahme des Systems im September vergangenen Jahres erwies sich die Verbindung als sehr zuverl\u00e4ssig. &#8222;Auf Frequenzen um 15 Megahertz konnten wir fast jeden Tag ab Mittags bis kurz nach Sonnenuntergang in Europa stabile Verbindungen herstellen&#8220;, berichtet Pramen. Von April bis Ende August verschieben sich die transatlantischen Band\u00f6ffnungen durch den h\u00f6heren Sonnenstand auf der Nordhalbkugel aber in Richtung der Abendstunden, f\u00fcrchtet der Kurzwellenexperte im Team. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnte der Auftraggeber dann an vielen Tagen nur noch den nachb\u00f6rslichen Handel in Frankfurt nutzen.<\/p>\n<p>Der unstete Datenstrom sorgt daf\u00fcr, dass der Handel mitunter stockt, weil aktuelle Informationen fehlen. Das mindert den erzielbaren Gewinn erheblich. Laut Pramen spielt der Kurzwellen-Link aber bereits heute deutlich mehr ein, als er kostet. Pramen arbeitet bereits an einer Optimierung: Gr\u00f6\u00dfere Sendeantennen, zus\u00e4tzliche Frequenzb\u00e4nder und mehr Sendeleistung k\u00f6nnten die Verf\u00fcgbarkeit k\u00fcnftig verbessern \u2013 wenn das Bauamt in Daun mitspielt und die geplanten 80 Meter hohen Stahlgittermasten und eine neue Hochspannungsleitung f\u00fcr die Stromversorgung genehmigt. <span class=\"ISI_IGNORE\">(<b>uma[4]<\/b>)<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Quelle und URL dieses Artikels:<\/strong><br \/>\n <small><code>http:\/\/www.heise.de\/-4008891<\/code><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00f6rsenhandel beschert Kurzwellenfunk ein Comeback 01.04.2018\u200301:04 Uhr Urs Mansmann B\u00f6rsenh\u00e4ndler sind auf schnelle Datenverbindungen angewiesen. Ein Startup-Unternehmen unterbietet die Latenz von Glasfaserverbindungen auf Transatlantikstrecken mit Kurzwellen-Technik. Beim B\u00f6rsenhandel geht es oft um Geschwindigkeit. 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